Abraham Sutzkever verstorben

Zürich, 21.01.2010

 

In Tel-Aviv ist im Alter von 96 Jahren der bedeutende jiddische Dichter Abraham Sutzkever gestorben. Am 15. Juli 1913 in Smorgon bei Wilna geboren, war er einer der letzten Überlenden des Wilnaer Ghettos. Mit verschworenen Mitkämpfern gelang es ihm, wertvolle Kultobjekte und Bücher vor dem Zugriff der Nazis zu verstecken; sie befinden sich heute in der ‚Sutzkever-Kaczerginski-Collection’ in New York. 1943 gelang ihm zusammen mit seiner Frau die Flucht. Von Moskau aus berichtete er ab 1944 über die Greueltaten der Nazis. 1947 war er einer der Hauptzeugen im Nürnberger Prozess. Die Erfahrungen seiner Ghetto-Zeit finden sich in dem Dokument ‚Wilner Getto’, das vor wenigen Monaten auch in deutscher Übersetzung  erschienen ist. Sein dichterisches Werk thematisiert in eindrücklichen Gedichten die Leiden des jüdischen Volkes während der NS-Zeit, öffnete sich in späten Jahren zusehends aber auch für israelische Gegenwartsfragen. 1948  gründete er in Tel-Aviv seine Zeitschrift für jiddische Dichtung, ‚Die goldene Kejt’, mit der er weltweit zum Überleben und Erhalt der jiddischen Sprache beigetragen hat. Seine Poesie wurde in alle grossen Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien in deutscher Übersetzung eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel ‚Gesänge vom Meer des Todes’.